Superheldin freigesprochen

Die erste gute Nachricht in der Pressback!

Im April 2006 kam es im „Frische Paradies“ an der noblen Großen Elbstraße zu einer gelebten Umverteilung, die über Hamburgs Grenzen hinaus Widerhall fand. Eine Gruppe verkleideter Superheld_innen füllten ihre mitgebrachten Körbe reichlich und „vergaßen“ zu bezahlen. Später wurden die Waren, darunter teurer Champagner, Hirschkeulen und Luxusschokolade, diskret an Prekarisierte und Hartz IV-Empfänger_innen verteilt.

Die nach dem Verlassen des Ladens eilig vollzogene Fahndung, stilecht mit Hubschrauber, brachte keinen Erfolg. Nichtsdestotrotz konnte die Polizei bald eine Verdächtige präsentieren. Schlagender Beweis der Mittäterschaft: Die Verdächtige habe dunkles Haar und einen Pferdeschwanz, wie eine der Superheld_innen, und außerdem seien bei einer Hausdurchsuchung Texte gefunden worden, die sich mit dem Thema „Prekarisierung“ auseinandersetzen. An dieser Stelle seien einmal solidarische Grüße an den Soziologen Andrej Holm erlaubt.

Im Juni 2007 kam es dann im Amtsgericht Altona zum ersten Urteil: Schuldspruch wegen gemeinschaftlichen Diebstahls und eine Strafe von 750 Euro. „Das war das absolut Lächerlichste, was ich bisher erlebt habe. Die Staatsanwältin hatte rein gar nichts in der Hand, aber das scheint in solchen Fällen für eine Verurteilung zu reichen“, kommentierte hinterher ein Prozessbeobachter des Bundesarbeitskreises Kritischer Juragruppen. Die frisch Verurteilte zog daraufhin vor die nächste Instanz zum Landgericht. Dort sorgte die Beweisaufnahme des Amtsgerichts teilweise für Gelächter, die Beklagte wurde am 8. Oktober 2008 von allen Vorwürfen freigesprochen. So geht eine Justizposse um den „lustigsten Diebstahl der Geschichte“ (The Guardian) erfreulich zu Ende. Und die Moral von der Geschicht‘: Held_innen veruteilt man nicht.