Every step I take – Überwachung aus den Augenwinkeln

Der Verdacht ist allgegenwärtig

1975 beschrieb Michel Foucault in seinem Buch „Überwachen und Strafen“ eine bestimmte Gefängnisarchitektur, die ihm als Metapher für gesellschaftliche Kontrollmechanismen diente: einen Wärterturm, umgeben von einem kreisrunden, vom Turm einsehbaren Zellenring. Die Gefängnisinsassen in den Zellen können dabei nicht erkennen, ob sich gerade jemand im Wärterturm befindet. Nach Foucault ist es letztlich auch gar nicht mehr entscheidend, ob die Wärter die Insassen tatsächlich beobachten: Weil die Gefangenen stets damit rechnen müssen, beobachtet zu werden, verbieten sie sich abweichendes Verhalten und kontrollieren sich schließlich selbst. Eine tatsächliche Disziplinierung geht also aus einer meist nur vorgestellten, hypothetischen Beobachtung hervor – diesen Effekt nennt Foucault den „Panoptismus“.

Welches Ausmaß dieser Effekt annehmen könnte, lässt eine aktuelle Produktvorstellung der Firma „Cybernet Systems“ erahnen. Diese vertreibt nun Systeme, die in der Lage sein sollen, den Kontext eines Verhaltens mit in die Analyse einzubeziehen. So kann das Stehenbleiben an einem Stromkasten beispielsweise als verdächtig, an Bushaltestellen wiederum als unverdächtig eingestuft werden.
Als nächster Schritt sollen so genannte „micro-expressions“ durch die Technik erkannt werden können. Das sind winzige, oft nur eine Zehntelsekunde auftretende Anzeichen für bestimmte Emotionen im Gesicht eines Menschen, die so gut wie gar nicht bewusst kontrollierbar sind. Die Kameras beobachten somit nicht nur das äußere Handeln, sondern würden gewissermaßen ins Innere der Menschen zu schauen versuchen. Nicht aufzufallen würde also einiges verlangen – Selbstdisziplin bis in die Haarspitzen.