Totalüberwachung für den Wohlfühlfaktor – Die Kundenfreundlichkeit der Hamburger S-Bahn

Hamburgs S-Bahn investiert – allerdings nicht in bequemere Sitze, zusätzliche Verbindungen oder ins Personal. 3,4 Millionen Euro macht der Verkehrsbetrieb bis Ende 2008 für Kameras in allen S-Bahn-Wagons locker. „Nach den Stationen werden nun in einem Sonderprogramm alle 164 S-Bahn-Triebzüge mit Videoüberwachung ausgestattet“, erklärte S-Bahn-Geschäftsführer Michael Dirmeier der Presse. „In jedem Wagen werden vier Kameras unter der Wagendecke angebracht.“

In der Regel wird derartige Überwachungstechnologie dort installiert, wo Behörden oder Ermittler_innen Gefahren wittern – etwa durch Drogenkranke, die die Stadt am Hansaplatz vermutet, oder betrunkene Schläger_innen auf der Reeperbahn. Als so eine Maßnahme will die S-Bahn die Kameras allerdings nicht verstanden wissen. Den Eindruck, eine Fahrt mit ihr wäre so gefährlich wie ein Kiezbummel samstagnachts, versuchten die Bahnvertreter vehement bei der Präsentation der Pläne zu zerstreuen. Statistisch sei nur einer von einer Millionen Fahrgästen von Gewalt betroffen.

Bleibt also die Frage, was die Kameras dann sollen. Die ernüchternde Antwort: Die Totalüberwachung soll den Wohlfühlfaktor erhöhen. Viele Fahrgäste fühlen sich angeblich einfach sicherer, wenn gefilmt wird. „Es ist uns wichtig, auch das subjektive Empfinden des einzelnen Kunden ernst zu nehmen“, so der SBahn- Chef. Der Haken: Eigentlich ist die Videoüberwachung nach dem Polizeigesetz nur an so genannten gefährlichen Orten gestattet. Weil aber die S-Bahn beim Kameraprojekt nur umsetzt, was der Verkehrsvertrag mit der Stadt vorgibt, hat sie politische Rückendeckung, für ein kleines Plus an Sicherheitsgefühl den öffentlichen Raum zu filmen. „Videokameras im öffentlichen Raum sind ein politisches Mittel“, sagt der Kriminologe Nils Zurawski von der Universität Hamburg. „Es ist politisch gewollt, dass sie aufgestellt werden, weil man damit sichtbar dokumentieren kann, dass man was tut.“