Rasterfahndung war gestern

EU finanziert Projekt zur möglichen Totalüberwachung

Im Laufe des letzten Jahres berichteten wir in der PRESSBACK von vielerlei gruseligen geplanten oder schon realisierten Überwachungstechnologien. Darunter waren etwa Anlagen, die aus der Ferne Gesichter, Blutdruck, Pulsfrequenz, Körpertemperatur oder auch bestimmte Verhaltensweisen erkennen sollen; Mini-Hubschrauber mit Videokamera zur Grenzüberwachung; Systeme, die so genannte „micro-expressions“ (winzige Anzeichen für bestimmte Emotionen im Gesicht eines Menschen) erkennen sollen, sowie die diversen, mittlerweile selbst für Spezialist_innen nur noch schwer zu durchschauenden Datensammlungen.

Diese Technologien sind schlimm genug, haben indes aus Sicht der Überwachungsbehörden einen entscheidenden Nachteil: Sie bleiben Stückwerk, da sie noch nicht miteinander vernetzt sind. Dies soll sich nun ändern. Die Europäische Union finanziert seit Jahresbeginn ein Forschungsprojekt, das all die bestehenden Überwachungstechnologien zu einem Instrument verbinden soll. „Indect“ (kurz für „Intelligent information system supporting observation, searching and detection for security of citizens in urban environment“) soll es möglich machen, dass alles gesehen und alles verfolgt werden kann. Insgesamt 14,86 Millionen Euro lässt sich die EU das auf fünf Jahre angelegte Projekt kosten, entwickelt wird es unter anderem von der Bergischen Universität Wuppertal.

Wer beispielsweise bei YouTube ein auffälliges Video gepostet hat, soll mittels „Indect“ mit Hilfe von Überwachungskameras gesucht, via Suchmaschine identifiziert und mittels tragbarer Geräte von Polizist_innen verfolgt werden können – Videokameras, Vorratsdatenspeicherung, Handyortung, Gesichtserkennung oder Telefonüberwachung werden erstmals verbunden zu einem einzigen Spähprogramm. Richtig erkannte die ZEIT: „Begriffe wie Unschuldsvermutung oder gerichtsfester Beweis haben dabei keine Bedeutung mehr, ersetzt es doch die gezielte Suche nach Verdächtigen durch das vollständige und automatisierte Scannen der gesamten Bevölkerung.“ Tatsächlich wird damit ein entscheidender Schritt vollzogen: Überwachung der gesamten Bevölkerung statt individueller Verdächtiger.

Mehr Informationen auf der (englischsprachigen) Homepage des Projekts: http://www.indect-project.eu