Die dunkle Bedrohnung

Neues aus der Überwachungswerkstatt

Sie sind so groß wie ein Fahrradreifen, wiegen etwas mehr als ein Kilo und können über 400 Meter hoch fliegen. So genannte Mikrokopter steigen mit Hilfe ihrer vier bis acht Rotoren senkrecht auf und stehen ruhig in der Luft. Diese kleinen Fluggeräte liegen nicht nur bei Hobbybastler_innen im Trend, auch die Polizei zeigt wachsendes Interesse.
Denn professionelle Mikrokopter, die bis zu 65.000 Euro kosten, können mit hochauflösenden Kameras und Infrarotoptik ausgestattet werden, so dass noch aus mehreren hundert Metern Höhe eine konturenscharfe Aufzeichnung von Gesichtern oder Autokennzeichen möglich ist. Das Fluggerät selbst ist dabei am Himmel schwer zu erkennen und ab einer bestimmten Höhe nicht mehr zu hören.
In anderen Ländern gibt es bereits zahlreiche Anwendungsfelder: In Großbritannien werden Drohnen eingesetzt um Verbrechen und „antisoziales Verhalten“ zu bekämpfen. In Frankreich werden „soziale Brennpunkte“ überwacht und in Strasbourg patrouilliert eine Drohne, um das Anzünden von Autos polizeilich zu verfolgen.
Auch in Deutschland will man die technische Neuheit nutzen und so werden in Sachsen bereits seit zwei Jahren die kleinen Drohnen getestet. Dort wurden sie vor allem für die Überwachung von Fußballspielen eingesetzt.
In Niedersachsen hatte man ursprünglich an die Überwachung von Castortransporten gedacht. Dort kamen allerdings die Drohnen kürzlich in die Schlagzeilen, da Datenschützer_innen sich über Testflüge beschwerten, die über bewohntem Gebiet durchgeführt wurden und nicht angemeldet waren.
Bisher ist der Einsatz von Mini-Drohnen in Deutschland jedoch wenig erfolgreich. So sind sie in Sachsen, wo sie mit hohem finanziellen Aufwand beschafft wurden (insgesamt ca. 110.800 Euro), in den letzten zwei Jahren nur 18 Mal und ohne verwertbare Ergebnisse eingesetzt worden.
Weiterentwicklungen werden das System aber preiswerter und effizienter machen, so dass in Zukunft eine verbreitete Nutzung zu erwarten ist.
Das wäre nicht unbedenklich. Konnte man eine fest installierte Kamera noch einigermaßen erkennen, so kann eine fliegende Kamera überall auftauchen. Dieses neue Polizei-Spielzeug stellt somit eine ganz neue Qualität von Videoüberwachung dar.