Die Kamera kennt dich

Die Gefahren der automatischen Gesichtserkennung

Wird ein Mensch von der Polizei gesucht, veröffentlicht diese Fahndungsfotos, damit sich jede_r an der spannenden Verbrecher_innenjagd beteiligen kann. Doch die Bevölkerung ist oft keine große Hilfe für die Cops. So dachte sich das Bundeskriminalamt (BKA) vor einiger Zeit: Maschinen müssten das doch viel zuverlässiger können. Deshalb wurde Ende 2007 im Mainzer Hauptbahnhof ein Experiment gestartet, bei dem ein Computer mit Fotos von 200 Freiwilligen gefüttert wurde. Diese glich er dann mithilfe einer Gesichtserkennungs- Software mit Kamerabildern von einer Rolltreppe ab.
Die Ergebnisse damals fielen durchweg schlecht aus. Tagsüber lag die Erkennungswahrscheinlichkeit bei 60% in der Nacht gerade einmal bei 10-20%.
Seitdem hat sich jedoch einiges getan. 3D-Bilder liefern unterdessen deutlich bessere Ergebnisse. Solche Systeme werden bereits an einigen Flughäfen bei der Passkontrolle genutzt. Dabei wird von einer Laserkamera mit Infrarotlicht ein nicht sichtbares Gitter auf das Gesicht gelegt. Eine entsprechende Kamera erkennt aus den dabei entstehenden Krümmungen der Linien und anhand von tausenden Messpunkten die komplette Kontur eines Gesichts.
Doch in einem Aufbau wie in Mainz könnte selbst ein System, das fast perfekt ist, zum Albtraum aller Pendler_innen werden. Denn die Erkennung wäre eben nur fast perfekt. So stellt das BKA nach ihrem Experiment etwas zynisch fest, dass bei einer Fehlerquote von nur 0,1% täglich noch 23 Menschen am Hauptbahnhof „mit weiterführenden Maßnahmen belastet worden wären“ – im Zweifel also Bekanntschaft mit einem SEK-Kommando gemacht hätten.
Noch problematischer ist aber der Fall, dass auf diese Weise ausgerüstete Kameras jeden vorbeilaufenden Menschen scannen und speichern. Würden alle Kameras einer Stadt dies tun, wäre es für ein daran angeschlossenes Computerprogramm ein Leichtes für jede Person, die einige Kameras passiert hat, ein detailliertes Bewegungsprofil zu erstellen. Schließlich könnte das Videomaterial noch mit einer Datenbank abgeglichen werden, die Namen und Bilder verbindet, wodurch Facebook und Co. für die Polizei eine noch effektivere Verwendung bekämen.