Eine Insel mit zwei Gipfeln

Vorbereitungen für G8 und G20

Erstmalig finden im Juni 2010 der G8 und der G20-Gipfel im selben Land statt. Militär, Polizei und etwa 1000 private Sicherheitsdienste bereiten sich darauf vor, eine angemessene „Sicherheitsarchitektur“ für dieses Ereignis zu entwerfen – zum Preis von bislang 131 Millionen Euro.
Tagungsort für den am 25. Juni stattfindenden G8-Gipfel soll das Golf-Ressort Huntsville in Ontario werden. Alleine der Schutz des exakt einen Tag lang stattfindenden G8-Gipfels wird 37 Millionen Euro kosten. Der am 26. und 27. Juni stattfindende G20-Gipfel, der zunächst ebenfalls in Huntsville stattfinden sollte, wurde nun „aus Sicherheitsgründen“ in das etwa 200 Kilometer entfernte Toronto verlegt. Das kanadische Militär wird die Polizei im Juni unterstützen, zusätzlich wurde die Elite-Kampftruppe „Joint Task Force 2“ einberufen. Die Zentrale der Sicherheitskräfte von Polizei, Privatdiensten und Militär während des Gipfels, das „Integrated Security Unit“, soll zwischen den beiden Veranstaltungsorten eingerichtet werden. 10.000 Polizist_innen werden von dort aus die Ereignisse rund um die Gipfel kontrollieren – fast doppelt so viele wie während der Olympischen Spiele Anfang des Jahres. Teile Torontos werden laut Polizeiangaben mit zwei bis zu drei Meter hohen Sicherheitszäunen versehen, zwischen denen Sicherheitskontrollen mit Röntgengerät und Metalldetektoren zu passieren sind – auch von Anwohner_innen. Torontos Stadtrat Adam Vaughan warnte vor „ernsthaften Beeinträchtigungen“ durch die Gipfel. Neben hunderten von Kameras in Torontos Innenstadt sollen zusätzlich für die Olympiade im Winter angeschaffte Drohnen der Überwachung dienen. Außerdem erhält die kanadische Polizei ein neues Hilfsmittel zur „crowd control“ während Demonstrationen: Das Long-Range Acoustic Device, ein Gerät, das ein schmerzhaft hohes Geräusch ausstößt, und als akustische Waffe eingesetzt werden soll – sein Ton kann zu leichten bis schweren Hörschäden führen. Desweiteren kündigte die kanadische Polizei an, während des Gipfels social media – Plattformen wie Twitter oder Facebook zu überwachen, um Aktivitäten von Protestgruppen vorzubeugen. Außerdem sollen Fotos von potenziellen ausländischen Agitator_innen den Grenzbehörden zugesandt werden, damit diesen gegebenenfalls die Einreise verweigert werden kann. Zu diesem Zweck wurde bereits jetzt rund 66.000 kanadischen Behördenmitarbeiter_innen Zugriff auf INTERPOL-Datenbanken gewährt.