Überwachung leichter gemacht

„Soziale Netzwerke“ und Datenschutz

Dass ein bedeutender Teil der Kommunikation übers Internet passiert, ist für die meisten zur Gewohnheit geworden. Und dass sich Widerstand regt, wenn staatliche Institutionen beispielsweise mittels Vorratsdatenspeicherung und Onlinedurchsuchung ihre Fühler nach verwertbaren Informationen ausstrecken, ist logisch und richtig. Dass es allerdings nicht immer der Staat ist, durch den Informationen in falsche Hände gelangen, ist angesichts der im Web umherschwirrenden Datenmengen ebenfalls zu beobachten.
Natürlich können sogenannte soziale Netzwerke wie StudiVZ oder Facebook eine politische Wirkung haben, wenn z.B. Twitter als Nachrichtenbörse genutzt wird, zur Terminabsprache von Demos Gruppen gegründet oder Mobilisierungsvideos bei Youtube hochgeladen werden.
Werden diese allerdings für jede_n frei zugängliche gepostet, kann es nicht ernstlich verwundern, dass sie auch eine Mitleser_innenschaft mit anderen Interessen anziehen. Das Internet macht zwar die Verbreitung von Informationen einfach, damit aber auch die Kontrolle der Adressat_innen schwierig.
Wer weiß schon, was für Leute einer Gruppe bei StudiVZ oder in einem Forum beitreten? Die vielfältigen Möglichkeiten, über die eigene Identität zu täuschen, machen dies unübersehbar, und damit auch politischen Gegner_innen möglich, alles mitzulesen – notfalls unter neuem Nickname. Und es kam auch schon vor, dass staatliche Stellen ebenfalls twitterten um Desinformation zu verbreiten, und mitlasen, wer sich wo bei Facebook organisiert, um dann vor Ort zu sein. Selbst der beschränkte Zugang zu Gruppen, in die nur Leute mit „Empfehlung“ rein kommen, ist kein wirklich wirksamer Schutz, denn virtuelle Freundschaften lassen sich leicht aufbauen und auch über Jahre online „Bekannte“ sind eben nur virtuell bekannt. Dadurch, dass es diese Sicherheit nicht gibt, können virtuelle Netzwerke auch schneller und einfacher durch vertrauenszersetzende Maßnahmen wie Falschmeldungen gesprengt werden.
Vor allem aber sollte sich bewusst gemacht werden, dass die vielen im Netz kreisenden Daten Mosaiksteine darstellen, die je nach Ziel zu Persönlichkeitsprofilen zusammengesetzt werden können. Das hilft dann natürlich Ermittler_innen, sich ein Bild über soziale Beziehungen und Strukturen zu machen, Personen einzuordnen, wenn diese beispielsweise für eine Demo mobilisiert haben, und somit Material für Repression zu sammeln. Auch wenn es gut sein kann, z.B. bestimmte Videos von Polizeiübergriffen zu veröffentlichen – wenn man bei Facebook „Gefällt mir“ anklickt, bringt man sich damit direkt und persönlich in Verbindung.
Dies sollte sich bewusst gemacht werden, denn was einmal im Netz steht, bleibt auch dort. Netzwerke leben aber gerade davon, dass sie viele Leute emotional packen, und Mitmachen durch Klicken verführerisch leicht ist. Daher: besser genau abwägen, welche Daten man offen preisgeben möchte, und lieber als Gruppe Propaganda machen, als sich als Einzelperson zu etwas bekennen.
Jenseits des Staats gibt es natürlich noch andere, die ein Interesse an Daten haben können, und die vielleicht nicht Geburtsdatum, Adresse oder „in einer Beziehung mit“ kennen sollten – z.B. Nazis, die umfangreiche Informationen und Fotos auf ihren eigenen Seiten veröffentlichen können. Darüber hinaus ist natürlich ohnehin fraglich, wie viel politische Äußerungen man im Allgemeinen von sich preisgeben will – gegenüber Leuten, die man oft nur flüchtig kennt und die mehr oder weniger freiwillig in Freundschaftslisten landen.
Zumindest ist es notwendig, sich immer wieder zu fragen, welche Posts wirklich öffentlich stehen sollen, und für Internes lieber auf verschlüsselte Mails zurückzugreifen.

Weitere Tipps zum Umgang mit sozialen Netzwerken unter
http://de.indymedia.org/2010/05/280443.shtml