Is ja Bombe!

Workshop zur Datensicherheit für politische Gruppen in Hamburg

Im Jahr 2010 haben Mitarbeiter_innen der BRD-Geheimdienste 37 Millionen E-Mails – mehr als fünf Mal so viele wie im Vorjahr – mitgelesen, in denen verdächtige Begriffe („Bombe“) vorkamen (siehe PB#45). In 213 Fällen kamen dabei „geheimdienstlich verwertbare“ Informationen heraus, bei den anderen handelte es sich zumeist um Spam. Nicht wirklich verwunderlich, denn unter den rund 16.400 (!) verdächtigen Begriffen sind laut Bundesregierung natürlich auch „gängige und mit dem aktuellen Zeitgeschehen einhergehende Begriffe“. Durchsucht werden nicht nur E-Mails, sondern auch andere elektronische Datenverbindungen wie beispielsweise Gespräche, Webforen und Faxverbindungen.
Mit einer Kleinen Anfrage wollten einige Bundestagsabgeordnete der Partei Die Linke nun mehr über das Vorgehen der Geheimdienste herausfinden. Die Antwort der Bundesregierung darauf lässt sich allerdings mit „alles geheim“ einigermaßen treffend zusammenfassen. Einige Punkte wurden dennoch klarer – beispielsweise, dass die Provider erst einmal alle Datenpakte an den BND weiterleiten und dieser dann auswählt, welche er sich anschaut. Bei der Masse an verdächtigen Begriffen dürften da die meisten Mails potentiell ins Raster fallen.
Eine Möglichkeit, sich gegen Überwachung im Internet zu schützen, sind VPN-Clients. Eine aktuelle schwedische Studie beschäftigt sich mit der zunehmenden Nutzung dieser Dienste, die die IP-Adressen der User_innen verschleiern. In Schweden werden sie bereits von 700.000 Personen genutzt, deren Identität dann bei Internetaktivitäten nicht mehr so einfach nachvollzogen werden kann. Aber auch hier gibt es Tücken: So kennt der VPN-Anbieter die IP-Adressen seiner User_innen, und kann damit Gefahr laufen, diese auf einen Gerichtsbeschluss hin herausgeben zu müssen. Aber die User_innen sollten auch wissen, ob sie ihrem Anbieter vertrauen: Einige Betreiber/Mitarbeiter des VPN-Anbieters Perfect Privacy beispielsweise wurden gerade als Neonazis enttarnt.
Eine weitere wichtige Möglichkeit, sich zu schützen, ist die Verschlüsselung des E-Mail-Verkehrs. Für politische Gruppen bietet die Ortsgruppe Hamburg der Roten Hilfe dazu zukünftig in Zusammenarbeit mit der Gruppe conundrum, die sich die digitale Selbstverteidigung im Netz zum Ziel gesetzt hat, Workshops an. Bei Interesse schreibt einfach eine Mail ­– gern auch verschlüsselt – an hamburg@rote-hilfe.de.