Schnöggersburg sehen und sterben

Bundeswehr baut sich Stadt für den Häuserkampf

Vor gar nicht all zu langer Zeit bei einem uns wohlbekanntem Europameister im Waffenexport musste ein Bundespräsident seinen Platz räumen, weil er die Wahrheit aussprach und militärische Einsätze der Bundeswehr zur Wahrung wirtschaftlicher Interessen der BRD für im Notfall erforderlich erklärte. Nun tut es ihm der aktuelle Staatsoberhaupt nach und schwört das Land darauf ein, „dass es wieder deutsche Gefallene gibt“, da Gewalt in der Welt, in der wir leben, „notwendig und sinnvoll sein [kann], um ihrerseits Gewalt zu überwinden oder zu unterbinden“. Weil „Frieden, Freiheit und die Achtung der Menschenrechte vielfach nicht von allein entstehen“, erfordere eine so von ihm bezeichnete funktionierende Demokratie „eben manchmal auch das Äußerste, was ein Mensch geben kann: das Leben, das eigene Leben“.
Damit auch weiterhin die Sicherheit der BRD in der Welt erfolgreich verteidigt werden kann, baut die Bundeswehr in Sachsen-Anhalt Europas größten Kriegsspielplatz mit dem klangvollen Namen Schnöggersburg. Dort sollen angehende Gefallene den Häuserkampf im Ballungsraum üben, um zukünftige Konflikte, die laut Militärexpert_innen „immer in urbanen Zentren entstünden“, niederzudemokratisieren. Konzentrierten sich die Kriegsmanöver auf dem Gefechtsübungsplatz Altmark bis vor kurzem noch auf ländliche Szenarien, unter anderem in nachempfundenen afghanischen oder kosovarischen Dörfern, können die Soldat_innen bald zwischen geplanten 520 Gebäuden auf insgesamt sechs Quadratkilometern um sich schießen. Es soll dabei auch ein kulturelles Zentrum, ein politischer Bezirk, eine U-Bahn und ein Stück Autobahn (so viel Deutschland muss sein) errichtet werden, um möglichst realitätsnah auch im zivilen Raum Kriegsstrategien entwerfen und trainieren zu können.
Die Kosten der Übungsstadt belaufen sich derzeit auf geschätzte 100 Millionen Euro, wobei natürlich nur vermutet werden kann, ob die Kassen nicht zum Beispiel durch Vermietung von Spielzeit auf dem Areal an befreundete Nationen wieder gefüllt werden. Diese könnten sich dann im Stillen auf eventuell bevorstehende Konflikte angesichts aggressiver und repressiver Maßnahmen im eigenen Land vorbereiten.
Bei entsprechender Gefahrenlage könnten die neu erlernten Fähigkeiten der hiesigen „Parlamentsarmee“ (Gauck) natürlich auch im urbanen Raum der BRD Anwendung finden, um besser für Zucht und Ordnung zu sorgen.