Das ist ja Bombe

Friedensnobelpreis 2012 geht an die EU
Salutschüsse, 27 Stück – denn der Friedensnobelpreis 2012 geht an die Europäische Union. Wie eine Bombe schlug die Neuigkeit allerdings nicht ein; die Presse war vorab informiert.
Europäische Politiker_innen sind „stolz“ und „geehrt“. Ein Preis von strategischer Bedeutung könnte mensch meinen, oder etwa nicht? „Kein Grund zur Aufregung“, sagen die einen: der friedensstiftende Charakter der EU könne nicht bestritten werden, schließlich habe es seit 1945 keinen Krieg mehr in Europa gegeben. „Kein Grund zur Aufregung“, sagen die anderen: Was will mensch denn von einem Preis erwarten, der von einem Sprengstoff erfindenden Industriellen gestiftet wurde und den ein König übergibt?
Aufregung? Keine Spur! Schweres Geschütz wird nicht aufgefahren. Aber gänzlich ohne Stellung zu beziehen, kann die EU sich dann doch nicht auf ihrer Beute ausruhen. Denn auch wenn das Nobelpreiskommittee über das Ziel hinaus geschossen ist, bleibt natürlich die Frage, was mit dem Preisgeld in Höhe von 930.000€ geschieht – schließlich soll das Geld nicht einfach so in irgendeinem Haushaltstopf verpuffen. Wie wäre es also mit drei Hubschraubern für den nächsten Einsatz an der türkisch-griechischen Grenze? Und auch Softwareentwickler_innen müssen bezahlt werden: 930.000€ für die Berechnung von Migrationsströmen, um vorherzusagen, wann wieder ein Boot im Mittelmeer „absäuft“? Oder es könnte auch mal wieder ein Überwachungssatellit ins All geschossen werden. Aber dafür reicht es dann auch wieder nicht. Im Grunde sind 930.000€ bei einem EU-Etat von 141,9 Mrd. € (2011) doch nur Peanuts. Bevor ein Streit zwischen den EU-Agenturen ausbricht, könnte lieber wieder eine Diktatur subventioniert werden. Allerdings ist Gaddafi ja nun weg, Assad auch bald und despotische Nachfolger_innen sind noch nicht in Sicht. Diktator_innen einen luxuriösen Lebensstil ermöglichen, respektive Festungsbau, war mal eine Möglichkeit. Nur sind die Grenzen ja mittlerweile bombensicher. Schwierig, schwierig. Dann wird das Preisgeld eben gespendet.