Ein Sack für das Pack

Bremer Polizei möchte Spuckhauben einsetzen
Der Polizei in Bremen reicht es. Das unterstreichen sie in einem schon fast niedlich anmutenden Appell auf einem Flyer der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sogleich mit drei Ausrufezeichen, da sie sich nämlich von den „verantwortlichen Politikern […] im Regen stehen gelassen“ fühlen. Im Spuckeregen, um genauer zu sein. Denn immer öfter komme es im Dienst vor, dass die Polizeibeamt_innen angespuckt werden. Sie fordern daher ein neues „mildes Einsatzmittel“: Die Spuckhaube, ein Sack, der bei Festnahmen und Ingewahrsamnahmen einfach über den Kopf der Gefangenen gestülpt wird, um Spuckattacken abzuwehren. Die Politik ziert sich aber bislang noch, denn schwarze Säcke über den Köpfen von Gefangenen erinnern dann doch zu explizit an Guantánamo.
Begründet wird der Bedarf an Spuckhauben seitens der Bremer GdP damit, dass es nicht nur demütigend, eklig und beleidigend sei, bespuckt zu werden, sondern höchst gefährlich noch dazu. Denn die „infektiösen Straftäter“ (O-Ton der GdP) könnten durch die militante Spuckattacke auch schwere Krankheiten übertragen.
Komisch, denn um möglichen Infektionen aus dem Weg zu gehen, wäre eine geeignetere Präventionsmaßnahme sicher, einfach darauf zu verzichten, Gefangene (oder Demonstrationsteilnehmer_innen) regelmäßig blutig zu prügeln.
Auch wird bei den Spuckattacken in den meisten Fällen wohl nur die vollgepanzerte Ganzkörperschutzuniform inklusive Helm in Mitleidenschaft gezogen. Diese sollten nach dem Polizeieinsatz ohnehin gereinigt werden, um sie von den Resten der regelmäßigen Pfeffersprayeinsätze und etwaigen Blutspritzern zu befreien.
Die Spuckhauben haben aber für die Polizei den netten Nebeneffekt, dass die Gefangenen nicht mehr von Umstehenden identifiziert werden können, etwa um den Ermittlungsausschuss über Festnahmen zu informieren. Zugleich sorgt die Spuckhaube dafür, den Betroffenen die Sicht und damit die Orientierung zu nehmen und die Atmung zu erschweren.
In welchen Fällen die Spuckhaube zum Einsatz kommen soll, bleibt unklar. Die GdP will sie natürlich nur einsetzen, wenn es auch „notwendig“ ist. Dass die Polizei ihr Equipment aber auch oft genug ohne Anlass zum Einsatz bringt, lässt erahnen, dass die Polizei für schwarze Kapuzen auf Demos zukünftig selbst sorgen wird.