Mordsspaß mit der Bundeswehr

Die Freiheit der BRD wird schon in der Kita verteidigt

Die Pubertierendenpostille BRAVO versucht, durch Werbung der Bundeswehr ein sauberes und angesagtes Image zu verschaffen. Die Zielgruppe der 12- bis 19-jährigen Leser_innen soll in Ferien-Camps an „zwei supercoolen Bundeswehr-Locations“ doch mal zeigen, was in ihnen steckt! Früh übt sich, wer tapfere_r Gefallene_r werden will. Auch in Schulen und Universitäten zeigt die Bundeswehr mal mehr, mal weniger offen Präsenz und nutzt ihr überlassene Räume für Rekrutierung und Kriegstreiberei.
Wenn in Massenmedien von Kindersoldat_innen in verschiedensten Regionen der Welt die Rede ist, geht meist ein Aufschrei durch die Republik: schlimm, schlimm! Dass die Bundeswehr ihre Stiefel allerdings schon mehr als bis zum Hacken in den Türen von Kitas, Schulen und Universitäten hat, ist erst gar nicht der Rede wert. „Weshalb sollte die Bundeswehr als Teil unserer demokratischen Gesellschaft nicht in BRAVO werben?“, heißt es aus Medienkreisen. Ja warum eigentlich nicht?! Weil Rekrut_innen zu Mörder_innen ausgebildet werden? Weil auch die BRD immer beständiger „aus ökonomischen, geostrategischen und (macht)politischen Gründen Kriege“ führt (siehe Bildung-ohne-Bundeswehr, BoB)? Weil die Bundeswehr bald auch „friedensstiftend“ im Inneren eingesetzt wird?
Es gibt also ausreichend Gründe, um alle getarnten Demokrat_innen sofort aus jeglichen Bildungseinrichtungen zu jagen. Leider gibt es dessen ungeachtet auch noch Lehrende, die der Bundeswehr einen guten Willen bei ihrer Art der humanitären Hilfe oder ihrem Kampf für Demokratie zusprechen und Einrichtungen für sogenannte Jugendoffizier_innen und Wehrdienstberater_innen öffnen. Diese vermitteln den meist jugendlichen Zuhörer_innen dann jedoch ein einseitiges und durch und durch geschöntes Bild der Bundeswehr und betreiben dreiste Anwerbungsversuche, um die seit Abschaffung der Wehrpflicht fehlenden Rekrut_innen zu ersetzen. Und an den zunehmenden Auftritten wird immer deutlicher, dass ihnen das zum Glück nicht so recht gelingen mag.
Doch da springt auch schon die Regierung ein und hält der Mordstruppe den Rücken frei, damit sie an Bildungseinrichtungen weiterhin Präsenz zeigen kann. Mit „Kooperationsvereinbarungen“ auf Landesebene erhält die Bundeswehr die Berechtigung, Einfluss „auf die Methodik und Inhalte des Politikunterrichts, auf die Ausbildung von ReferendarInnen [und] auf die Weiterbildung von LehrerInnen“ zu nehmen (BoB). Die daraus folgende Militarisierung der Gesellschaft macht auch vor den Toren der Uni keinen Halt und so lassen bereits an über 40 Hochschulen in der BRD Rüstungsfirmen für ihre kriegerischen Zwecke forschen.
An Hochschulen besteht die Möglichkeit, Forschungen für den Kriegsapparat durch eine Zivilklausel zu verbieten. Diese untersagt auch, dass Gelder aus der Rüstungsindustrie ihren Weg in die Forschung finden dürfen. Allerdings haben bisher nur wenige Hochschulen von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht und selbst wenn, ist es oft schwierig, „zivile“ Forschung zu erkennen, die eventuell auch für militärische Einsätze in Frage kommt. Solch ein Mittel des „dual-use“ macht Forschungsarbeiten dann wieder für die Rüstungsindustrie interessant und über Zwischenwege findet schlussendlich doch eine Finanzierung aus Kriegsgeldern statt. So unterliegen zum Beispiel seit 2010 alle Angaben über Drittmittelaufträge des Verteidigungsministeriums an Hochschulen der BRD einer „Geheimschutzordnung“, wobei eigentlich allein der Name des Financiers ausreichen sollte, diese Gelder zurückzuweisen. Die Zivilklausel allein bietet also keine Gewähr einer kriegsfreien Forschung, sie muss auch konsequent durchgesetzt werden.