Eine dreiste Lüge – Skandal bleibt aus

If you repeat a lie often enough, it becomes… politics.

Die Schlagzeile passte nach der mutwillig von der Polizei zur Eskalation getriebenen Demo am 21.12. nur zu gut in die Stimmung der deutschsprachigen Medienlandschaft: „Linke Chaoten greifen Davidwache an!“ Hierbei sollen 30 bis 40 Vermummte gezielt die Davidwache mit Steinen und Flaschen angegriffen und dabei einen Polizisten schwer verletzt haben.
Dumm nur, dass sich das alles so gar nicht abgespielt hat und anschließend trotzdem wochenlang gegen die linke Szene gehetzt wurde. Eine neue Dimension sei erreicht und gar das BKA wollte sich in die Ermittlungen einschalten – also mit Hilfe von § 129 und Konsorten – repressiver Rundumschlag inklusive. Bekanntlich wurde das einmalig riesige Gefahrengebiet auf diese Weise „legitimiert“ – allerdings gleich wieder klobürstenhaft delegitimiert.
Zeug_innen auf der Reeperbahn sahen die Vorkommnisse übrigens… anders. Ganz anders. Auch Andreas Beuth, linker Anwalt, bekam über Mandant_innen ähnlich konträre Erlebnisse geschildert und sah sich gezwungen, die Polizei der Lüge zu bezichtigen. Denn abgespielt hat sich den Zeug_innen nach Folgendes: Eine feiernde Gruppe von Menschen in eher „normaler“ Kleidung kommt unvermummt und Fußball-Lieder singend die Davidstraße entlang und passiert die Davidwache an der Ecke zur Reeperbahn. Dort werden keine Lieder mehr gesungen und der größte Teil der Gruppe geht über die Reeperbahn Richtung Hein-Hoyer-Straße.
Ein Mensch bleibt etwas zurück und wird von hinten von einem herausgeeilten Polizisten der Davidwache niedergerissen. Daraufhin kommen die anderen zurück – auch Passant_innen beobachten den Vorfall – und stellen den Polizisten und seine nebenstehende Kollegin zur Rede, was das denn solle. Andere Beamt_innen aus der Wache kommen mit gezücktem Pfefferspray dazu. Aber alles bleibt verbal und die Gruppe zieht sich nach Freilassung des Attackierten Richtung Hein-Hoyer-Straße zurück. Dort, 200 Meter weiter an der Kreuzung zur Seilerstraße, beobachten derweil andere Zeug_innen eine Gruppe von Menschen, die sich laut mit einer Streifenwagenbesatzung auseinandersetzen und von dort kommt dann auch ein im Gesicht blutender Beamte Richtung Davidwache, aus der bereits Behelmte herausstürmen.
So, und woher die Märchenschreiber_innen der Polizei letztendlich ihre Version der Story haben, wird wohl für immer ihr mieses Geheimnis bleiben.