Die Macht der Scorewerte

Wie die Schufa das System stabilisiert

Wer einen Kredit aufnehmen muss, eine Wohnung mieten will oder nur einen Handyvertrag abschließt, ist auf das Votum der Schufa angewiesen. Sie ist die größte der sogenannten Auskunfteien, die schon vielen Menschen das Leben schwer gemacht haben. Organisiert ist sie als Aktiengesellschaft, deren Aktionär_innen größtenteils Banken und große Unternehmen sind. Die Schufa hat Daten von mehr als 66 Millionen Bewohner_innen der BRD gesammelt und errechnet daraus, je nach Auftraggeber_in (Banken, Vermieter_innen, etc.), einen „Scorewert“, der die Zahlungszuverlässigkeit darstellen soll. Die genauen Formeln der Berechnungen sind geheim, aber vor kurzem sind einige der Bewertungskriterien durchgesickert.
Offenbar gibt es nur bei 9 % aller erfassten Personen negative Einträge, also Zahlungsausfälle oder ähnliches. Bei den restlichen 91 % geht es der Schufa wohl vor allem um die „Stetigkeit im Lebenswandel“. Mehrere Bankkonten, viele Kreditanfragen, auch mehrere Wohnungswechsel in den letzten Jahren verschlechtern das Ergebnis. Gerade letzteres Kriterium trifft Menschen, die von Gentrifizierung betroffen sind, doppelt. Sie sind nicht nur gezwungen, in eine günstigere Wohnung am Stadtrand zu ziehen, ihr „Score“ sinkt auch durch den Umzug, und es wird ihnen zukünftig noch schwerer werden, eine neue Bleibe zu finden.
Im Januar 2014 klagte eine Frau vor dem Bundesgerichtshof (BGH), um die Schufa dazu zu bringen, ihre Kriterien und Bewertungsformeln offenzulegen. Den BGH störte die Geheimniskrämerei jedoch nicht und er wies die Klage ab. Besonders bezeichnend ist dabei, was sich die unterstützenden Verbraucher_innenschutzzentralen von dem Urteil eigentlich erwarteten: Verbraucher_innen sollten wissen, wie sie sich verhalten müssen, damit ihre Kreditwürdigkeit möglichst gut bewertet wird. Mit anderen Worten: Das System ist super, aber die armen Konsument_innen wissen so ja nicht, wie sie ihr Leben möglichst verwertbar und kreditwürdig gestalten. Für die ambitionierte Mittelschicht mag das vielleicht sogar gelten. Für Menschen mit geringem Einkommen oder Menschen, die ihr Dasein nicht am „Score“ ausrichten wollen, offenbart sich hier aber der Charakter der Schufa als kapitalistisches Machtinstrument. Für sie hat die Schufa eine geradezu willkürliche Macht, die an Schikane grenzt. Ist doch fast jedes Fortkommen in unserem System mit einer Investition wie Auto, Handy oder Wohnung verbunden, deren Umsetzung oft genug von einer Entscheidung der Schufa abhängt.