Vertreibung von Obdachlosen

Für mehr Sicherheit und Profit

In einem Londoner Hauseingang wurden jüngst Metall-Spikes am Boden befestigt. Der dornige Untergrund sollte verhindern, dass Obdachlose diese wind- und regengeschützte Ecke als Unterschlupf nutzen konnten. Mittlerweile sind die Metallstachel entfernt – die Empörung, die sie auslösten, war zu groß.Allerdings ist solche eine stachelige Vertreibungsmaßnahme kein Einzelfall und nur eine von vielen im Repertoire – und zwar nicht nur in London.
Beliebt ist dabei das Bewässern der Schlaf- und Aufenthaltsorte von Obdachlosen durch Sprinkleranlagen. Doch auch ein neues Design von Bänken mit abgerundeter Sitzfläche oder Armlehnen zwischen jeder Sitzmöglichkeit verhindern ein Hinlegen. Plumper können Schlafplätze natürlich auch einfach durch einen drei Meter hohen Stahlzaun versperrt werden – wie dies vor knapp drei Jahren unter der Kersten-Miles-Brücke in Hamburg getan wurde. Und auch die für manche eher dezente und anmutig wirkende klassische Musik am Hamburger Hauptbahnhof dient dazu, Obdachlose und andere unliebsame Menschen zu vertreiben. Daneben gibt es dort mittlerweile auch Sondernutzungsrechte und das Sicherheitspersonal, das diese Menschen immer wieder vom Ort vertreibt. Öffentliche Räume, die bisher durch eine verwinkelte Architektur Sicht- und Windschutz bieten konnten, werden umgestaltet, sodass es keine halbwegs annehmbaren Aufenthaltsorte für Obdachlose gibt.
Und dies alles meist im Namen der Sicherheit. Der perfide Kniff ist dabei, die Obdachlosen mit Kriminalität in Verbindung zu bringen, ohne sie selbst direkt zu kriminalisieren. Es wird behauptet die Anwesenheit von Obdachlosen an einem Ort zeuge von seinem „Verfall“ und bringe andere Menschen dazu, an diesem Ort Straftaten zu begehen. Nachgewiesen ist der Zusammenhang von „Unordnung“ und Kriminalität nicht – aber er erscheint vielen Menschen plausibel. Schließlich lässt sich so „akzeptal“ begründen, warum Obdachlose und andere unliebsame Menschen aus bestimmten Gegenden zu vertreiben sind. Auffällig ist in diesem Zusammenhang auch, dass dieses Sicherheitsdenken gerade in profitversprechenden Gegenden wie gentrifizierten Vierteln oder Einkaufspassagen beliebt ist.