Smartphones

Traum der Repressionsbehörden

Wer hat nicht schon mal davon profitiert, dass irgendwo irgendwer mit einem Smartphone in der Nähe stand und schnell mal eben was nachgeschaut werden konnte: der schnellste Weg zum Club, die nächste Bahn oder der aktuelle Stand der Blockaden gegen einen Nazi-Aufmarsch… alles sehr bequem.
Doch wovor viele die Augen verschließen oder was vielen gar nicht bewusst ist, Smartphones „können” noch viel mehr. Regelmäßig tauchen Meldungen auf, dass eine App unberechtigterweise auf Daten der Nutzer_innen zugegriffen und diese weitergeleitet hat. Oder dass es Möglichkeiten gibt, über Hintertüren im mobilen Betriebssystem auf das Smartphone zuzugreifen und Daten oder gar Passwörter auszulesen. Selbst staatliche Trojaner wurden bereits für Smartphones entwickelt und werden eingesetzt, um das Gerät in eine Hosentaschen-Wanze umzufunktionieren.
Natürlich gibt es Leute, denen es egal ist, ob (Meta-)Daten oder andere Informationen aus der Benutzung von mobilen Geräten über sie gesammelt werden. Repressionsbehörden freuen sich über jeden zusätzlichen gläsernen Menschen und Firmen machen in der Internet-Werbe-Industrie ordentlich Asche mit Persönlichem.
Nicht jede neue „Errungenschaft” der Technik ist auch sinnvoll und von Vorteil für uns Nutzer_innen. Viel zu oft stecken schlicht kapitalistische Interessen hinter vermeintlich tollen Gadgets und Gimmicks. Jenseits von Zynismus und Ironie gibt es aber auch Menschen, die sehr bewusst mit ihren Smartphones umgehen, darauf achten, was sie sich da überhaupt zulegen und ob das Gerät nicht zum Beispiel auch mit alternativer (Linux-)Software betrieben werden kann. Allerdings schützt auch ein maximal bewusster Umgang mit Mobilfunkgeräten nicht vor repressiven Maßnahmen. So wurden im Oktober 2014 insgesamt die Wohnsitze von sieben beschuldigten Antifaschist_innen in und um Osnabrück mit dem Vorwurf durchsucht, sie wären in eine Auseinandersetzung mit Nazis involviert gewesen. Einzige Ermittlungsgrundlage: Die Mobilfunkgeräte der Beschuldigten sollen in Funkzellen rund um den Tatort eingeloggt gewesen sein. Auch wenn eine spontane Konfrontation mit Nazis es meist nicht mehr möglich macht, muss im politischen Aktivismus weiterhin gelten, dass jedes Handy und auch Smartphone einfach mal zu hause bleibt oder zumindest getrennt vom Akku ein im Notfall hilfreicher Begleiter ist.